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Radio Mobile - Ein Traum wird wahr?!


Kartenbeispiel
Eine typische Empfangsberechnung, hier von einer 13 cm ATV-Ausgabe. Karte unter CC-BY-SA 2.0-Lizenz von openstreetmap.org
Hinter dem Namen Radio Mobile versteckt sich ein Programm, das bisher jeden Funkamateur begeisterte, der es kennenlernte. Es handelt sich um das erste kostenlos verfügbare Programm, mit dem man Reichweitenkarten und Feldstärkenwerte zwischen zwei oder mehr Stationen unter Berücksichtigung der Topographie, Frequenz und Leistung am Computer berechnen kann. Damit lässt sich z.B. das Empfangsgebiet eines Relais oder der eigenen Station auf eine Karte zeichnen. Ebenfalls kann man ausrechnen ob ein Link zwischen zwei Digipeatern oder zwei ATV-Stationen auf einer bestimmten Frequenz realisierbar ist. Für die Berechnungen werden kostenlose Höhenkarten (Elevation Maps) benutzt, die von Satelliten gemessen wurden.

Die Einrichtung des Programms ist nicht ganz einfach und leider gibt es das Programm nur für Windows, aber es läuft auch zuverlässig auf langsameren Rechnern (z.B. problemlos auf einem P1/233MHz). Ein Hinweis für Linux-User: Mit wine laufen die aktuellen Versionen von Radio Mobile äußerst zufriedenstellend! Der Autor hat seinen Programmcode (leider in Visual Basic geschrieben) an die wine-API angepasst! Damit gehören viele Probleme der Vergangenheit an.

Das Programm kann hier heruntergeladen werden: Homepage von Radio Mobile

Einrichtung
Nach dem ersten Start des Programms muss einiges eingerichtet und konfiguriert werden. Zuerst einmal müssen allgemeine Einstellungen wie Frequenz und Leistung in File -> Networks Properties vorgenommen werden. Für einen Funkamateur sollten die Angaben dort selbstredend sein. Wichtig ist jedoch, dass bei Membership schon einige Units aktiviert sind. Als Units werden im Programm die Standorte bezeichnet, an denen wir später unsere Funkstellen eintragen. Bestenfalls aktiviert ihr also mindestens so viele Units wie ihr braucht, wer mehr oder gleich alle 50 aktiviert, dem entstehen aber auch keine Nachteile. Werden sie hier nicht aktiviert, weiss das Programm keine Eigenschaften wie z.B. Sendeleistung der Funkstelle und kann so auch keine Berechnungen ausführen.
Jetzt sollte im Menüpunkt Options -> Internet Options unter SRTM Download from Internet if a file is not found on local path and keep a local copy angewählt werden und ein lokaler Pfad gesetzt werden, z.B. c:\afu\radiomobile\data.
Bei Internet ftp directory wird USGS Eurasia (compressed) aktiviert. Falls nicht vorhanden, die Adresse ftp://e0srp01u.ecs.nasa.gov/srtm/version2/Eurasia/ per Hand eingeben und Zip aktivieren. Nun wird es Zeit eine Höhenkarte zu laden. Das passiert mit dem Menüpunkt File -> Map Properties. Die Höhenkarte ist im SRTM-Format, also muss SRTM ausgewählt werden. Das Feld dahinter bleibt leer! Jetzt muss nur noch der Locator oder die Koordinaten für den Kartenmittelpunkt und die Kartengröße angegeben werden und die Karte kann gezeichnet werden.
Achtung: Beim ersten Mal und immer wenn noch nicht lokal vorhandene Kartendaten benötigt werden, muss das Programm diese aus dem Internet laden. Je nach Verbindung und Kartengröße kann das ziemlich lange dauern!. Bei Fehlermeldung sollte natürlich die Internetverbindung gestartet werden.
typische Hamwebseite
Linkberechnung zwischen zwei Standorten. (Abbildung stammt aus einer sehr alten Programmversion von 2003)
Bild: DF1PB

typische Hamwebseite
Radio Coverage Menü (Abbildung stammt aus einer sehr alten Programmversion von 2003)
Bild: DF1PB
Danach müssen ein paar (mindestens natürlich zwei, nämlich Sender und Empfänger) Units mit all ihren Eigenschaften (Höhe, Koordinaten, Name, Symbol) eingegeben werden, damit erste Berechnungen durchgeführt werden können. Je genauer die Eingaben, desto besser wird das Ergebnis, also möglichst nicht die ungenauen Locatorangaben verwenden! Eingetragen werden die Daten in Edit -> Unit properties. Das Menü sollte selbsterklärend sein.
Danach können erste "Versuche" unternommen werden, z.B. der Radio Link unter View -> Radio Link. Dieser zeigt einen Geländeschnitt zwischen den Standorten und berechnet je nach Frequenz, Sendeleistung und Antenne den S-Wert und noch einige andere Sachen. Ebenfalls interessant ist die Radio Coverage, also die Einzeichnung des Empfangsgebiets auf die Karte. Machbar ist dies durch View -> Radio coverage -> Single polar, dort empfiehlt es sich, das Rainbow-Diagramm zu aktivieren.

Dummerweise erkennt man auf den Höhenkarten nur in den seltensten Fällen etwas, denn es gibt keine Orientierungspunkte. Das muss nicht sein! Am einfachsten ist es, mit Edit -> Draw objects -> Cities labels ein paar Städte einzeichnen zu lassen. Außerdem lassen sich Landkarten im GIF, JPG oder BMP-Format importieren, wie man sie von APRS kennt, sofern man dem Programm die Koordinaten dieser Karten nennt.
Die komfortabelste Möglichkeit ist die automatische Karteneinzeichnung aus dem Internet. Wenn eine Internetverbindung steht, kann man mit Edit -> Merge pictures -> Open Street Map oder Internet Mappoint -> Europe -> Copy oder Multiply diese Karte laden. Um in dem Menü Mappoint und einige andere kommerzielle Anbieter anzeigen zu lassen, muss vorher in der Datei Map_Link.txt im Radio Mobile-Verzeichnis das ' vor der jeweiligen Adresse entfernt werden. Das Programm sucht sich den richtigen Kartenausschnitt und zeichnet ihn automatisch ein.

Ein kleines Schlusswort: Radio Mobile ist sehr komplex und es macht teuflisch viel Spaß, alle Funktionen auszureizen (z.B. die perspektivischen Bilder im File -> Picture Properties-Menü, aber man kann auch nicht alles in so einer kleinen Anleitung erklären, was in diesem Programm steckt. Von daher: Probiert es aus, der Anfang ist getan und man kann auch nicht viel falsch machen. Die Ergebnisse, die das Programm liefert, sind besonders am Anfang oft ein wenig unrealistisch, hier gilt es die eigenenen Empfangserfahrungen ins Spiel zu bringen, und so lange die Einstellungen im Programm anzupassen, bis die Berechnung mit der Realität übereinstimmt. Viel Spaß! Falls ihr Fragen habt, nur her damit (E-Mail, Packet), ich beantworte sie euch gerne.


Empfehlung zur Reichweitenberechnung von Funkrufsendern
Besonders hier, wo man Empfänger mit kleinen Antennen an oft nicht ganz günstigen Standorten hat, wird es schwierig, Reichweitenkarten zu berechnen. Die Karte, die hier rechts dargestellt ist, entspricht erstaunlich gut der Realität und deshalb veröffentliche ich hier die Daten dazu:

In den Network Properties einzustellen:

Gain: 0 dB
Power: ca. 8 Watt
Frequency: 440 MHz bis 440 MHz
Die restlichen Daten stimmen mit den Standardangaben überein.

In Radio Coverage einzustellen:

Unten links bei "Threshold" die S-Wert-Grenze auf S7 hochsetzen (muss in der Praxis später möglicherweise noch leicht verändert werden)
Einfarbiges Diagramm (kein Rainbow)


Bericht unter CC-BY-SA 3.0-Lizenz von DF1PB am 14. April 2003. Updates am 29. Oktober 2005, 12. Februar 2008 und 15. März 2010