K40 - Amateurfunk im Westerwald - Ortsverband Kannenbäckerland

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Der Turm, auf dem jeder Empfänger übersteuert

turm
Der Turm
Bild: DK3KM

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Ein paar wenige Regentropfen fielen vom Himmel, als Markus, DK3KM und ich, Thomas, DF1PB uns am 25. August 2006 auf den Weg in die Nähe von Weidenhahn (JO30WN) machten, um dem dortigen Aussichtsturm Helleberg (50° 33'13'' N / 7°51'29'' E, 520 m ü. NN) nach drei Jahren mal wieder einen Besuch abzustatten.

Für das Hobby eher hinderlich ist die Tatsache, dass der 500 Meter lange Weg vom pfützenübersäten Parkplatz an der B8 bis hoch zum Turm nur zu Fuss angetreten werden kann (geländefähige Fahrzeuge erlauben möglicherweise die Anfahrt via Schleichweg über Stock und Stein, alle anderen scheitern an einer abgeschlossenen Schranke). Mit Antenne und Minimast in der einen Hand sowie einem Koffer mit allerlei Empfängern, einem kleinen TV-Gerät, Adaptern und Bakenlisten in der anderen, sind diese letzten Meter ein kleines Abenteuer, zumal als krönender Abschluss noch 30 Höhenmeter auf den Turmtreppen bewältigt werden müssen.

Oben angekommen hat man eine sehr schöne Aussicht über die Umgebung, den Oberwesterwald, das Siebengebirge, die Vordereifel, den Taunus mit Großem Feldberg und noch vielem mehr. Zumindest, wenn es nicht wie bei unserem Besuch recht diesig ist. Hatte man am Anfang noch den Eindruck, dass die Überwachungskameras auf 2,4 GHz aus größerer Distanz empfangen werden konnten als man sehen kann, so konnte immerhin gegen Ende unseres Besuchs die etwa 18 km entfernte Montabaurer Höhe mit Köppel und Alarmstange erkannt werden.

Es war recht kühl, so um die 17 Grad und es wehte ein deutlich spürbarer Wind, wir freuten uns, dass die Regentropfen uns nicht weiter belästigten und dagegen die Sonne durch Wolkenlücken schien. Dummerweise war es im windstillen Bereich schattig und im sonnigen Bereich windig. Intelligent wie wir waren, bauten wir also unsere Geräte dort auf wo es zugleich windig und schattig war. Man war ja flexibel, konnte aus diesem Fehler lernen und später umziehen. Zuerst wurde die Log-Per-Antenne für den Bereich 130 bis 1300 MHz aufgebaut und getestet. Der Empfang war in Ordnung. Danach ging es an die noch höheren Frequenzen und die Yagi für 13 cm wurde montiert. Zugleich wurde der ATV-Empfänger, Vorverstärker und das TV-Gerät aufgebaut.

Wie nicht anders zu erwarten, konnte DB0NKA aus Neuwied einwandfrei empfangen werden. Direkte Sicht war vorhanden, und das Bild verschwand nie, egal welche Antennenrichtung man wählte. Danach fanden wir die Ausgabe des ATV-Relais in Siegen. Das Signal war leicht angerauscht. Das nachher erstellte Höhenprofil zeigt, dass etwa 20 Höhenmeter auf unserer Seite fehlten, um direkte Sicht zu erzielen.

Eine (mir allerdings schon vorher bekannte) Überwachungskamera empfingen wir ebenfalls leicht verrauscht auf etwa 2415 MHz. Das QTH liegt im Industriegebiet Selters, etwa sieben Kilometer vom Aussichtsturm entfernt. Dieses Industriegebiet war vom Turm aus gut zu erkennen. Ob die erlaubten 10 Milliwatt (oder sind es mittlerweile 100?) bei dieser Kamera tatsächlich eingehalten werden, darüber darf gerätselt werden. Interessant wäre, wie weit man dieses DX-Signal noch empfangen kann. Desweiteren konnte eine weitere Kamera auf etwa 2433 MHz aus Richtung Süd bis Südost entdeckt werden. Leider war das Signal deutlich schwächer und wir bekamen es nur für zwei Sekunden synchronisiert.

Interessant ist an dieser Stelle, zu testen, wie sich die Log-Per als Breitbandantenne für 2300 MHz eignet. Offiziell ist sie ja nur bis 1300 MHz geeignet, aber die vordersten Elemente sahen so schön kurz aus...
Und tatsächlich: Kaum angeschlossen sahen wir schon das Testbild aus Neuwied. Kein Wunder, das ginge wohl auch mit einem Stück Draht. Aber auch die Überwachungskamera war wieder zu sehen. Und dazwischen viele andere verrauschte Signale. War die Antenne doch viel besser als die 13 cm-Yagi? Nein, die breitbandige Antenne hat einfach so viel empfangen, dass es zu wahnsinnig vielen Mischprodukten kam. Wenn man genau hinschaute, sah man, dass es sich um richtiges Fernsehen handelte, man sah Moderatoren und Bildschnitte, etc.. Ein Budget für eine ganze Regie hat dann eher doch kein Funkamateur... Viel eher wurde ein terrestrischer TV-Sender empfangen.

Zum Teil sah man mit der Breitbandantenne auch GSM-Störsignale, die irgendwie auf 2400 MHz gemischt wurden. Das verwundert nicht, denn zehn Meter Meter über uns sitzen mindestens zwei Mobilfunkanbieter mit Richt- und Sektorantennen. Der Turm dient scheinbar als Zentrale für die umliegenden Basisstationen, daher auch ein großes Technikhaus am Fuß des Turms.
Ganz allgemein muss man sagen, dass dort oben fast jeder Empfänger übersteuert. Ich bin öfter alleine auf dem Turm um Rundfunk-DX zu betreiben und weiß, dass auch gute Weltempfänger auf UKW eine Menge Mischprodukte entwickeln. Das wundert mich auch nicht, hat man doch mindestens zu zehn Rundfunk-Grundnetzsendern direkte Sicht. Sogar bis nach Bayern... Auch ein DVB-T-Receiver fand Pakete auf QRGs, auf denen nirgendwo in DL diese Sender ausgestrahlt werden. Die direkte Sicht zum Feldberg tut also auch bei DVB-T nicht gut.

db0qj
Das ATV-Relais Siegen, ca. 50 km entfernt
db0nka
Neuwied (30 km)
db0kam

Die Überwachungskamera (7 km), zu sehen ist ein LKW-Parkplatz mit Fahrbahnbemalung, schwer erkennbar.
Bilder: DF1PB

Der Versuch, mit einem Digitalreceiver und einer 23 cm-Doppelacht DB0KO (südlich von Köln, 72 km Entfernung, mittlerweile (2008) QRT) zu empfangen, schlug fehl. Die Signalanzeige stand stets bei 0,0 dB. Sowohl mit als auch ohne Vorverstärker. Das Höhenrelief zeigt, dass es ganz knapp an direkter Sicht fehlt. Vergleichbar mit dem Weg nach Siegen, aber da hat es doch auch geklappt, warum bei Köln nicht? 2003 hat der Empfang von DB0KO auf diesem Turm analog funktioniert, aber damals war DB0KO noch an einem anderen QTH im Süden von Köln. Der Empfang jedenfalls war ziemlich gut.




df1pb
DF1PB am Handscanner
dk3km
DK3KM am Treppenaufstieg
Unser NF-Testbild
Unser NF-Testbild: nie gesendet ;-)
Bilder: DK3KM/DF1PB

Um Platz zu sparen nahm ich statt eines Stations-TRX nur einen Handscanner zum Abhören der Baken auf 2 m, 70 cm und 23 cm mit. Leider gab es aber auch hier einen massiven Störpegel, selbst auf 23 cm. So konnte ich auf zwei Meter nur DB0JW in Aachen, PI7CIS und DA5DUB im Oberwesterwald hören. Auf 70 cm gelang mir lediglich der Empfang der neuen Bake DB0MMO im Spessart, das allerdings ziemlich gut. DB0AD am gleichen Standort wie DA5DUB scheint zur Zeit QRT zu sein. Auf 23 cm bekam ich auch nur eine Bake herein, es war DB0JK aus Köln. Diese bekam ich früher auch zuhause, und ich dachte irgendwann sie sei abgeschaltet worden. Aber möglicherweise ist man nur auf QRP umgestiegen. Ehrlich gesagt habe ich auf 23 cm auch nicht mehr weiter nach Baken gesucht, denn mich verlies langsam die Lust, ständig bei irgendwelche Störträgern auf CW-Kennungen zu warten. Vielleicht gehe ich irgendwann doch mal mit meinem Stations-TRX dort hoch und teste mit diesem. Der ist hoffentlich großsignalfester...

Mittlerweile waren wir schon fast vier Stunden auf dem Turm und hatten noch kein einziges QSO gefahren. Das sollte auch so bleiben. Dafür haben wir zwei Besucher ein wenig verwirrt, sie ergriffen schnell wieder die Flucht, war ihnen die ganze Technik zu unheimlich?
Es ging uns in erster Linie um die Technik und die Wellenausbreitung: Was ist möglich? Wo stoßen wir an unsere Grenzen? Hätte sich auf ATV etwas getan, so hätten wir auch mal den ATV-Sender eingeschaltet. Aber am Freitag mittag ist das natürlich eher unwahrscheinlich. Daher wurde auch das extra angefertigte und auf meine Digitalkamera (die schon desöfteren als Testbildgenerator herhalten musste) geschobene Testbild nie ausgetrahlt.

Was bleibt? Wir wollen auf jeden Fall nochmal da hoch. Und zwar ohne eine über zwei Meter lange Log-Per, die gerade so ins Auto gepasst hat. Wir möchten uns auf ATV spezialisieren. Vor allem 23 cm, sowohl analog als auch digital und 10 GHz analog. Die Schüssel samt LNB liegt schon bei Markus bereit, er muss nur noch eine Lösung finden, sie vernünftig montieren zu können. Und dann kann es nochmal los gehen. Vielleicht zu einem günstigeren Zeitpunkt an dem mehr auf ATV los ist und mit einem Digitalreceiver, bei dem man die LNB-Spannung abschalten kann. Vielleicht war das der Grund für den Misserfolg beim Empfang von Köln.
Wir kommen wieder, vielleicht schon nächstes Jahr im Frühling.

Hier geht es zur Galerie mit allen Bildern.


Bericht unter GNU-GPL von Thomas, DF1PB, 2006-08-26